Was bedeutet Lesekompetenz?

Spätestens seit den PISA-Studien ist der Begriff „Lesekompetenz“ („Literacy“9 in aller Munde. Aber Was bedeutet er überhaupt? 

Studien zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen (z.B. die KIM oder JIM-Studie) haben ergeben, dass der Großteil der 6- bis 13-Jährigen täglich mehr als zwei Stunden fernsieht und naturgemäß beinahe alle Jugendlichen täglich mehrere Stunden Computer und Internet verwenden.

Hingegen lesen Kinder ab 10 Jahren höchstens 30 Minuten täglich in ihrer Freizeit. Ein hoher, unbedachter Medienkonsum steht dabei unmittelbar im Zusammenhang mit negativen Schulleistungen - erschreckend dabei ist, dass in Österreich jährlich rund 10.000 Jugendliche das Schulsystem ohne Lehr-, Fachschul- oder Maturaabschluss verlassen. Es zeigt sich, dass Sprach- und Lesekompetenzen direkt mit schulischem und beruflichem Erfolg zusammenhängen. 

Das Literacy-Konzept bedeutet, geschriebene Texte und Symbole verstehen, nutzen, produzieren und über sie nachzudenken zu können, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und die eigenen Möglichkeiten wahrzunehmen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Es sind also die praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten des Lesens an sich, aber auch, ob man Lesen und Schreiben überhaupt als sinnvoll erlebt und die für das Lesen notwendigen Anforderungen erbringen will - was nur passiert, wenn Lesen auch positive Emotionen vermittelt (Identifikation mit Figuren, Eintauchen in spannenden Welten, Neues lernen,…). 

Die Lesekompetenz steht im Zusammenhang mit der Lesehäufigkeit: Je höher die Anforderung an den Leser/die Leserin ist, desto eher entwickelt sich die Lesekompetenz weiter. Jemand, der gut liest, braucht dann auch weniger Anstrengung und weniger Konzentration als jemand, der nur mit Mühe Texte lesen und erfassen kann – Lesen wird für ihn oder sie dann wenig Vergnügen darstellen und die Spirale dreht sich weiter, indem Lesehäufigkeit und Lesekompetenz sinken bzw. nicht weiter zunehmen.

Lesekompetenz kann als Teil der umfassenden Medienkompetenz bezeichnet werden. Gerade die Zunahme an elektronischen Medien macht Leseförderung immer wichtiger. Internet, Tabloids, Smartphones usw. stellen andere Anforderungen an die Lesekompetenz als herkömmliches Buchlesen (z.B. Leserichtung, verkürzte Sprache, komprimierte Information). Darum sollte von Beginn an in der Leseförderung auf eine vielfältige Textbasis zurückgegriffen werden: Tabellen, Bilder, elektronische Texte, vorgelesene und Hör-Texte, literarische Texte, Gebrauchsanweisungen usw.


Dieser Text wurde uns freundlicherweise vom Lesezentrum Steiermark zur Verfügung gestellt.

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